Nov 16 2009

Mit Blended Learning zum erfolgreichen Ausbildungskonzept

Geschrieben von: TTS [Zusammenfassung Gastvortrag von Yolanda Amiet beim TTS Knowledge Transfer Forum 2009] in Training & E-Learning

Yolanda Amiet, IT-Projektleiterin bei der Bank Vontobel, über das Konzept der Vontobel Academy

Yolanda Amiet

Yolanda Amiet: „Das Herz der Bank wurde über Nacht ausgetauscht.“

Ebenfalls beeindruckend war der Vortrag von Yolanda Amiet von der BankVontobel. Sie zeigte auf, wie in sehr kurzer Zeit ein umfassendes Blended Learning Konzept umgesetzt wurde. „Anhand eines innovativen Trainings- und Changeprojektes können Sie den Bankenplatz Schweiz aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen“, so Amiet augenzwinkernd. Essentiell sei bei diesemanspruchsvollen Projekt das Zusammenspiel zwischen extern und intern, also zwischen der Bank und TTS gewesen, so die sympathische Schweizerin. Im Sommer 2008 erhielt sie die Aufgabe, ein bankenweites Ausbildungskonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Hintergrund war die Einführung eines neuen Core Banking Systems. Ein in die Jahre gekommenes Host-System sollte durch die Software Avaloq abgelöst werden. „Das Herz der Bank wurde zum 01.01.09 ausgetauscht“, fasste Amiet die Tragweite des Projektes zusammen, „und alle Mitarbeiter machten eine Zeitreise von 20 Jahren, und zwar auf einen Schlag.“ Hinzu kam, dass die Benutzeroberfläche von Avaloq zu diesemZeitpunkt weder besonders intuitiv noch ansprechend war. Das heißt, den Usern musste reines Wissen vermittelt werden. Die Gesamtprojektdauer war mit anderthalb Jahren angesetzt und mehr als 200 Fachspezialisten und Businessvertreter waren involviert. Insgesamt mussten 1300 Mitarbeiter an eine neue Systemwelt herangeführt werden. Das Gießkannenprinzip, das war schnell klar, funktioniert bei dieser Anzahl nicht mehr. Zumal viele verschiedene Zielgruppen und Lerntypen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen kamen. „Sie haben die IT-versierte Assistentin, den aktiven Broker, den sie wirklich festhalten müssen, damit er in der Schulung bleibt, und den alteingesessenen Banker, der keine oder kaum Affinität zur IT hat“ fasste Amiet die verschiedenen Typen zusammen. Die einzelnen Gruppen sollten also in ihrem Tempo an die Neuerungen herangeführt werden. Dazu wurden in jedem Geschäftsfeld Key User bestimmt, die Schulungsinhalte definierten. Die 35 daraus entstandenen Module sollten aber zudem noch Order Life Cycles dokumentieren, also nicht nur das Vorgehen in Avaloq beschreiben, sondern auch „wenn…dann…-Szenarien“ abbilden. Zu Beginn des Projekts stand eine Veranstaltung für alle Mitarbeiter, die mit Präsenzunterricht über die neue Software informierte. Es folgten E-Learning Einheiten innerhalb der Vontobel Academy im Intranet, in denen das Wissen individuell vertieft wurde, ergänzt durch Übungen mit den Key Usern für diejenigen Mitarbeiter, die angeleitet werden mussten. Am Ende stand die Zertifizierung über den Abschluss der Vontobel Academy. Die Gesamtkoordination des Projektes erfolgte mangels eines Learning Management Systems (LMS) übrigens komplett über Excel-Listen. Ein Ausbau auf ein LMS ist allerdings denkbar, allein um zukünftig zielgruppenorientierte Zuweisungen zu ermöglichen. „Wir wollten die Menschen spielerisch zum E-Learning einladen und niemanden schikanieren, und das hat gut geklappt“, so Amiet. Dahinter stand aber auch ein ausgeklügeltes Kommunikationskonzept „Fit4Avaloq“. Um das lange fehlende Bewusstsein für die Umstellung der Software zu wecken, nutzte Amiet Kanäle wie Intranet, Newsletters und Events, griff aber zusätzlich noch zu einem kleinen Trick: „Ich habe den Leuten gesagt, wenn die Apfelsaison in der Ostschweiz vorbei ist, ist Avaloq da. Erst waren die Augen groß, aber dann haben sie begriffen.“ Damit war die Apfelkampagne „Fit4Avaloq“ geboren. In Meetings wurde Apfelsaft ausgeschenkt, Äpfel wurden verteilt mit dem Hinweis, dass man während des Verzehrs ein E-Learning absolvieren kann, und vieles mehr. „Ich werde heute noch als die Apfeldame bezeichnet“, berichtete Amiet lächelnd. Natürlich bezog man auch die Vorgesetzten der einzelnen Abteilungen ein um zu definieren, wer wann zu welcher Schulung kommt, Gesamtkoordinationsmeetings wurden abgehalten und Training&Testing Days veranstaltet. Man nutzte alle Wege, um wirklich jeden Mitarbeiter zu erreichen. Mittels Webtrends, einer Software, die bei Vontobel bereits für Webapplikationen im Einsatz ist, wurde die Erfolgskontrolle der E-Learnings durchgeführt und Reportings für die Geschäftsführung und die Projektverantwortlichen erstellt. Als dann die Stunde der Wahrheit schlug und am 1. Januar 2009 Avaloq an den Start ging, erntete Amiet die Früchte ihrer Arbeit: Der Betrieb mit Avaloq@Vontobel wurde erfolgreich aufgenommen und es bestand ein sehr geringer Nachschulungsbedarf. Viele Erfolgsfaktoren spielten eine Rolle, unter anderem eine übergeordnete Gesamtkoordination, kurze Entscheidungswege, die Kombination von Präsenzunterricht/E-Learning/Training Sessions (also Blended Learning), die Organisation der Schulungen aus den Geschäftsfeldern heraus, die Lernerfolgskontrollen als Rückmeldung zum persönlichen Wissensstand und eine dynamische Lernkultur. Das Change Management wird Amiet noch länger beschäftigen, sollen doch neue Lerninhalte generiert und relevante Inhalte für den Endanwender gefiltert werden, um einen zielgruppenorientierten Wissenstransfer sicherzustellen.

Die Originalpräsentation steht als Download zur Verfügung; bitte melden Sie sich im ersten Schritt unter My TTS an.

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Der Artikel ist eine Zusammenfassung des Vortrags im Rahmen des TTS Knowledge Transfer Forums vom 18. Juni 2009 in Heidelberg. Kommentare werden durch TTS moderiert und bei Bedarf an die Referentin weitergereicht.

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