
Jörg Geulen
E-3 Kolumne April 2010
Hallo und guten Tag!
„Le roi est mort, vive le roi“ – „Der König ist tot, es lebe der König“. Dies ist die Heroldsformel, mit der in Frankreich der Tod des alten Königs bekannt gegeben und gleichzeitig der neue ausgerufen wurde – wie neulich bei der SAP geschehen. Im ersten Atemzug verkündet SAP die Entmachtung Leo Apothekers, um uns mit dem nächsten die neue SAP-Führungsspitze aus McDermott und Hagemann Snabe zu präsentieren. Was mich persönlich interessiert, ob diese Entscheidungen im klimatisierten SAP-Boardroom oder doch eher in der Natur (als Verweis siehe meine Kolumne von März) wie auf dem Golfplatz in St. Leon-Rot oder im Stadion von 1899 Hoffenheim getroffen wurden.
Anscheinend besinnen sich Hopp und Plattner ihrer früheren Tugenden und greifen ihr eigenes Erfolgs- und Führungsmodell aus alten SAP-Tage wieder auf. Ich bin neugierig, wer in dieser neuen Doppelspitze den „Good-„ und wer den „Bad-Guy“ spielen wird… Interessant dürfte auch sein, ob uns die SAP hier tatsächlich schon die neue Führung präsentiert oder doch nur ein Interims-Duo? Betrachtet man andere Unternehmen, die wie SAP in der Champions-League spielen, sieht man, dass sie meistens von nur einer Führungspersönlichkeit geleitet werden. Na ja – schau´n mer mal…(wie unser Kaiser Franz B. so gerne sagt).
Die Pannen und Turbulenzen des vergangenen Jahres aber nur alleine Apotheker anzulasten, scheint mir zu kurz gedacht. Natürlich hat man hinter vorgehaltener Hand über einige seiner „Tugenden“ auf Kunden- und SAP-Mitarbeiterseite gelästert: Begriffe wie „schonungslos direkt“, „frei von Diplomatie“ , aber auch „analytisch brillant“ prägten sein Bild nach außen und innen – aber eines war er nicht: eine Mogelpackung. Denn diese Charakterisierungen besaß er schon vor seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender…und die waren dem SAP Aufsichtsrat auch hinreichend bekannt.
Deshalb meine Frage: Warum gerade jetzt diese Entscheidung? Hat der Mohr seine Schuldigkeit als Ausputzer getan? Denn Apothekers einschneidende Sparmaßnahmen tragen erste Früchte, der Streit um den Enterprise Support ist beigelegt, Business by Design nimmt endlich Fahrt auf (zumindest die Ankündigungen hierzu J) – es fehlt „nur“ noch die Rückbesinnung auf den Kunden.
Und wenn man dem Tenor der SAP Pressemitteilungen folgt, scheint genau dies Apothekers Entmachtung beeinflusst zu haben. “Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen.” Brechen also wieder „goldene Zeiten“ für uns Kunden an? Zu hoffen ist es ja! Die Messlatte ist mit diesem Plattner-Statement hoch gelegt. Doch wer war letztendlich für die bisherige SAP-Strategie verantwortlich? Wirklich nur Leo Apotheker alleine? Gibt es nicht doch noch andere Mitspieler, die hier ein wichtiges Wörtchen mitzureden hatten – oder sind es eventuell auch die, die den König zum König gemacht haben und ihn nun kurzerhand sterben ließen? Denn Apothekers Rücktritt nach Bekanntwerden seiner Entmachtung dürfte den Aufsichtsrat sicherlich nicht überrascht haben.
Wie damals bei Shai Agassi verliert SAP mit Leo Apotheker abermals einen guten Strategen, der nicht wegen seiner Ideen, sondern vielmehr an deren Umsetzung gescheitert ist. Vielleicht lag es auch an ihren Persönlichkeiten, dass sie zu wenig für ihre Strategie geworben sondern versucht haben, diese diskussions- und rücksichtslos durchzusetzen? Hhhmmm, unter diesem Aspekt betrachtet, macht die Vorstands-Doppelspitze vielleicht doch mehr Sinn. Risk-Management auf SAP-Art – Machtverteilung auf zwei Köpfe. Die Vitas von McDermott und Snabe zumindest versprechen eine ausgewogene Mischung aus Strategie und Implementierung, ohne Hinweis auf einen autokratischen Führungsstil.
„Le roi est mort, vive le roi“ – Ich drücke jedenfalls den beiden „Neuen“ die Daumen für eine erfolgreiche Zukunft – und hoffe für uns alle, dass sie sich Hasso Plattners Kundenstatement zu Herzen nehmen. In 100 Tagen wissen wir mehr.
Bis die Tage
Jörg Geulen